Drei Systeme, drei Bauweisen, drei unterschiedliche Antworten auf die gleiche Aufgabe: ein langlebiges Metalldach. Wer plant, sollte die Unterschiede zwischen Fural, klassischem Stehfalz und PREFA kennen – nicht nur in Sachen Optik, sondern auch bei Befestigung, Gewicht und Lebensdauer.
Bevor wir in den Detailvergleich gehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die jeweilige Konstruktionslogik. Alle drei Systeme arbeiten mit Aluminium- oder Zinkbahnen, unterscheiden sich aber grundlegend in der Art, wie diese Bahnen befestigt werden.
Der klassische Stehfalz ist das traditionelle Metalldach – eine Technik, die seit Jahrzehnten zum Standard im Spenglerhandwerk gehört. Vorprofilierte oder vor Ort gefalzte Bahnen werden mit Haften (Schiebe- oder Festhaften) auf der Unterkonstruktion fixiert und längsseitig zusammengefalzt – meist als Doppelstehfalz beim Dach, als Winkelstehfalz bei Fassaden. Stehfalz funktioniert ab etwa 3° Dachneigung. Material: Aluminium, Zink, Kupfer oder Edelstahl.
PREFA ist ein österreichischer Premium-Anbieter, der seit über 80 Jahren Aluminium-Dachsysteme produziert. Das Spektrum reicht von kleinformatigen Dachplatten und -schindeln bis zum bandförmigen Stehfalz «Prefalz» (Materialstärke 0,7 mm). Die Bahnen werden mit Hafte fixiert; die Bahn selbst wird nicht durchbohrt, der Falz übernimmt die wasserdichte Verbindung. PREFA wirbt mit 40 Jahren Materialgarantie.
Fural ist das Schweizer Original: 1948 vom Urner Architekten Josef Furrer patentiert, seit den Fünfzigerjahren auf Schweizer Bauten verlegt. Das System unterscheidet sich von beiden anderen radikal: Die Bahnen verkrallen sich selbsttätig in vormontierten Klemmhaltern, ohne Hafte und ohne sichtbare Verschraubung. Mehr zur technischen Funktion erklärt unsere Seite zur Fural-Montage.
Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Eigenschaften gegenüber – auf einen Blick.
Wenn Sie nur einen einzigen Vergleichspunkt zwischen den drei Systemen herausgreifen wollen, sollten Sie hier ansetzen. Bei Stehfalz und PREFA werden die Bahnen mit Haften an der Unterkonstruktion befestigt – die Hafte sind kleine Metallbügel, die ans Holz geschraubt oder genagelt werden und die Bahn am Falz festklemmen. Die Bahn selbst wird nicht durchbohrt, das ist korrekt; aber sie ist an einem definierten Punkt fixiert.
Fural geht einen anderen Weg: Die Bahn ist überhaupt nicht punktuell fixiert. Sie verkrallt sich entlang ihrer ganzen Länge in vormontierten Klemmhaltern und kann sich frei bewegen. Diese Bauweise – das Reissverschluss-Prinzip – ist auch der Grund, warum man Fural als «Metalldach ohne Verschraubung» bezeichnet; der Begriff ist allerdings eine Vereinfachung, weil ja die Halter selbst auf der Lattung befestigt werden. Wer die technische Funktionsweise im Detail nachvollziehen möchte, findet sie hier.
Bei reinem Materialgewicht ist PREFA Prefalz am leichtesten – mit etwa 2,3 kg/m² verlegter Fläche unterbietet das System sowohl Fural als auch klassischen Stehfalz. Das macht PREFA besonders attraktiv für Sanierungen, bei denen jedes Kilogramm zählt.
Fural liegt mit rund 4 kg/m² zwischen den Systemen – immer noch eine Grössenordnung unter Tonziegeln (38–50 kg/m²) oder Betondachsteinen (42–48 kg/m²). Für die Sanierung von Altbauten ist also nicht in erster Linie der Vergleich mit anderen Metallsystemen entscheidend, sondern der Vergleich mit klassischen schweren Eindeckungen. Mehr dazu auf unserer Seite zur Dachsanierung mit Fural.
Hier zeigt sich ein nüchterner Unterschied: PREFA gibt 40 Jahre Materialgarantie auf das Aluminium. Stehfalz-Dächer halten je nach Material 50 bis 100 Jahre – Kupfer und Zink länger, beschichteter Stahl tendenziell kürzer. Bei Fural ist die Empirie eindeutig: Original-Verlegungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts erfüllen ihre Funktion bis heute. Damit liegt das System bei der nachgewiesenen Lebensdauer in einer eigenen Liga.
Im Wartungsaufwand sind alle drei Systeme ähnlich genügsam. Ein Vorteil von Fural in der Praxis: Wird in Jahrzehnten eine einzelne Bahn beschädigt, lässt sie sich gezielt austauschen, ohne dass die ganze Dachfläche geöffnet werden muss. Bei Stehfalz und PREFA ist das aufwändiger, weil benachbarte Bahnen beim Falz miteinander verbunden sind.
Die Optik ist letztlich Geschmackssache und hängt vom architektonischen Konzept ab. Stehfalz und PREFA Prefalz haben die typische, klare Stehfalzlinie – beruhigt, modern, oft auf Wohn- und Bürobauten zu sehen. PREFA bietet zusätzlich Dachplatten und Schindeln, die optisch traditioneller wirken können.
Fural hat eine eigene Bildsprache: das markante Schwalbenschwanzprofil, schmaler als Stehfalz, mit einer fein gegliederten Struktur. Diese Optik passt nicht zu jedem Gebäude – wer eine ruhige, fast monolithische Dachfläche sucht, ist mit Stehfalz besser bedient. Für Architekten, die mit der Materialität und der filigranen Linienführung arbeiten wollen, bietet Fural dafür eine eigenständige Ästhetik, die seit Le Corbusier auch grosse Architektur trägt. Konkrete Beispiele realisierter Projekte – vom Kurtheater Baden bis zur Le-Corbusier-Villa – finden Sie in unseren Fural-Referenzen.
Empfehlenswert, wenn Sie eine ruhige Stehfalz-Optik wünschen, geringe Dachneigungen ab 3° realisieren müssen oder bei Materialen wie Kupfer und Edelstahl bleiben wollen, die im Fural-System nicht im Standard verfügbar sind.
Empfehlenswert, wenn die Aluminium-Garantie von 40 Jahren ein zentrales Argument ist, das absolut leichteste Material gefragt ist (2,3 kg/m²), oder wenn das ganze PREFA-Gestaltungssystem mit Schindeln, Platten und Falzen aus einer Hand verbaut werden soll.
Empfehlenswert, wenn Lebensdauer das zentrale Kriterium ist (70+ Jahre nachgewiesen), wenn keine Dilatationsfugen geplant werden sollen, wenn einzelne Bahnen langfristig austauschbar bleiben sollen, oder wenn die filigrane Schwalbenschwanz-Optik zum architektonischen Konzept passt. Mehr zu den verfügbaren Furalbahnen und Materialien finden Sie hier.
Eine pauschale «beste Wahl» gibt es nicht – die richtige Antwort ergibt sich aus dem konkreten Projekt, der Architektur und der Bauherrschaft. Wer das im Vorfeld sauber analysiert, vermeidet später teure Korrekturen.
Sie planen ein Metalldach und wollen die Optionen sachlich gegeneinander abwägen? Unser Fachteam berät Architekten und Planer aus dem ganzen DACH-Raum– ehrlich, kompetent und alles aus einer Hand.